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Zartmacher von Fleisch

Fleischzartmacher (Salz, Zucker, Papain)
Als Fleischzartmacher oder Tenderizer (englisch) werden zusammenfassend verschiedene
pflanzliche Enzyme und mit ihnen hergestellte Mittel bezeichnet, die das Gewebe
von Fleisch lockern und es so mürber machen. Gewonnen werden die verwendeten
Enzyme Papain, Bromelain und Ficin aus Papayas, Ananas und Feigen. Auch Kiwis
enthalten ein proteinauflösendes Enzym, das Actinidain.
Schlachtfrisches ist zart, doch durch das eintreten der
Totenstarre wird das Fleisch zäh – vor allem durch das die Muskelfasern
umschließende Bindegewebe. Erst nach dem Abhängen über je nach Fleischart
einige Tage bis zu zwei Wochen wird es mürbe, verursacht durch im Fleisch
enthaltene Enzyme (Autolyse) und bakterielle Stoffwechselprodukte, vor allem
Milchsäure, die das Bindegewebe teilweise zu Gelatine umwandeln. Marinieren
über Stunden oder Tage lockert ebenfalls durch Säure das Gewebe.
Fleischzartmacher enthalten dagegen wesentlich schneller wirksame Enzyme, die
das Bindegewebe durch Proteolyse auflösen – ein Vorgang, der ähnlich auch bei
der Verdauung stattfindet. Sie werden daher zur Verkürzung des Abhängens
eingesetzt, auch als Ersatz für das Marinieren oder lange Schmoren von
besonders bindegewebsreichem Fleisch. Bei Kühlhaus- oder Kühlschranktemperatur
bleiben diese Enzyme weitgehend inaktiv. Erst beim Erwärmen werden sie wirksam,
bis sie durch den Garprozess schliesslich gerinnen.
Bei den Indios wurde traditionell der Saft von Papayas
und Ananas für die Zubereitung von Fleischgerichten verwendet. Der Physiker und
Hobbykoch Nicholas Kurti untersuchte verschiedene Methoden zum Zartmachen von
Fleisch und demonstrierte 1969 in einer Sitzung der Royal Institution den
enzymatischen Effekt am Beispiel eines Schweinebratens, in dessen eine Hälfte
er Ananassaft injiziert hatte.
Anwendungsweise
In den 1970er Jahren wurden in einigen Ländern wie den
USA und Großbritannien Tieren Fleischzartmacher kurz vor der Schlachtung in die
Blutbahn injiziert, wodurch sie sich im Gewebe noch verteilen konnten. Das
Abhängen ließ sich dadurch vermeiden, allerdings machte diese Praxis
empfindliche Innereien wie Niere, Leber und Zunge unverkäuflich. Zudem gab es
Proteste traditionell arbeitender Fleischproduzenten, die zu Verboten dieses
Verfahrens führten. Ein etwas anderes, aufwändigeres Verfahren ist die
Injektion ins Fleisch kurz nach der Schlachtung, die aber nur lokal wirkt und
deshalb mehrfach vorgenommen werden muss.
Fleischzartmacher für den Haushalt bestehen im
Wesentlichen aus Salz als Streckmittel, um die Dosierung der Enzyme zu
erleichtern. Weitere Bestandteile sind je nach Hersteller Zucker, Milchzucker,
Mononatriumglutamat (Geschmacksverstärker), Gewürze, Würze und Trennmittel wie
Magnesiumcarbonat. Diese Fleischzartmacher werden anstelle von einfachem Salz
verwendet, sie dienen teilweise auch als Würzmittel. Damit die Enzyme sich im
Fleisch verteilen können, sollte so behandeltes Fleisch vor dem Garen je nach
Dicke bis zu einigen Stunden ruhen.
Mechanische Fleischzartmacher
Die sogenannten Steaker werden in einfachen Ausführungen
für den Haushalt gelegentlich auch als Fleischzartmacher bezeichnet. Dabei
handelt es sich um Geräte, die mit zahlreichen wie auf einem Nagelbrett
angeordneten Klingen die Muskelfasern vielfach durchtrennen und dadurch das
Gewebe lockern. Durch die damit verbundene Vergrösserung der Oberfläche und
Gewebezerstörung trocknet das Fleisch beim Braten leichter aus. Zu dem gleichen
Zweck werden auch Fleischklopfer verwendet.
Auch so wird Fleisch zart
Wie
verwandelt man zähes Fleisch in einen Braten, der auf der Zunge vergeht? Man
sprengt es!
Das
explosive Rezept stammt aus der Küche von Atomforscher John Long. Er fragte
sich schon in den 90er Jahren: Die Schockwellen einer Unterwasser- Explosion
laufen fast ungehindert durch den menschlichen Körper – was passiert mit dessen
Muskeln?
Er
kaufte minderwertiges Rindfleisch, schnitt es in 2 Teile. Eine Hälfte warf er
in eine mit Wasser gefüllte Tonne, fügte ein wenig Sprengstoff hinzu und
zündete ihn. Dann staunte er: Das unbehandelte Stück Fleisch war zäh wie Leder,
die «gesprengte» Hälfte war butterzart.
Fleischforscher
der US-Landwirtschaftsministeriums haben das Verfahren nun weiterentwickelt.
Die mit Wasser gefüllte Tonne wurde durch einen speziell entwickelten Stahlkessel
ersetzt. Stossdämpfer am Kesselrand federn den Explosionsdruck ab. Teamchef
Morse Solomon: «Der Sprengstoff dient dazu, in den paar Tausendstelsekunden
einen gewaltigen Druck aufzubauen, der die Muskelfasern zerreist. So
wird das Fleisch mürbe, ohne die äussere Form zu verändern.»
Dieses
sogenannte «Hydrodynamische Druckwellenverfahren» wird in einigen
Grossmetzgereien der USA bereits angewandt.
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