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Der Verkaufserfolgeines Produktes wird bekanntlich von verschiedenen Faktoren beeinflusst.
Dazu
gehören die sensorischen Eigenschaften, die zwecks Erfüllung der Ansprüche der
Konsumentinnen und Konsumenten einer ständigen Überprüfung bedürfen.
Die Forschungsanstalt
Agroscope Liebefeld-Posieux ALP hat daher am Beispiel von Salami diejenigen
Kriterien systematisch ausgearbeitet, die eine sensorische Beschreibung des
Produktes ermöglichen. Dieses Hilfsmittel bietet sich nebst der Anwendung in Versuchen
nun auch für den Gebrauch in der Praxis an.
Was versteht man unter
sensorischer Analyse?
Seit
etwa 50 Jahren stehen der Nahrungsmittelindustrie Techniken wie die sensorische
Analyse zur Verfügung, um ihre Produkte zu optimieren und damit die Erfolgsaussichten
bei den Konsumentinnen und Konsumenten zu steigern. In einem Markt mit
zunehmend stärker werdender Konkurrenz ist die Qualität für den Erfolg eines neuen
Produktes einer der ausschlaggebenden Faktoren. Nebst verschiedenen anderen
Aspekten sind die sensorischen Eigenschaften ein wesentlicher Teil dieser
Qualität. Die sensorische Analyse ist ein wertvolles Instrument, um die Produkteigenschaften, so wie wir sie mit
unseren Sinnen wahrnehmen, zu identifizieren und objektiv zu messen. Folglich
werden diverse Aspekte wie Aussehen, Geruch, Flavour und Textur untersucht, um
Informationen zu sammeln, die für die Entwicklung eines Produktes, welches die Konsumentenansprüche
erfüllt, benötigt werden. Genauer gesagt wird die sensorische Analyse während
des ganzen Lebenszyklus eines Produktes angewandt. Dies schliesst Marktstudien
und Beliebtheitstests ein, welche für die Entwicklung von neuen Produkten essentiell
sind. Ist diese Hürde erst genommen, wird die sensorische Analyse für die Produktkontrolle,
die Anpassung von Herstellungsparametern sowie die Festlegung der
Haltbarkeitsdauer eingesetzt
Die Methoden der sensorischen Analyse
Grundsätzlich wird zwischen den analytischen und den
hedonischen Prüfmethoden unterschieden.
Ziel der analytischen Methoden ist
es, objektive Informationen über Produkte oder Produkteigenschaften zu erhalten.
Dies geschieht einerseits mit Hilfe von Unterschiedsprüfungen, wenn die
Produkte sich nur sehr geringfügig unterscheiden, und andererseits mit Hilfe
beschreibender Prüfungen, wenn die Produkte qualitativ und quantitativ deutlich
wahrnehmbare Unterschiede aufweisen. Die Prüfungen, die jeweils mit Gruppen von
ausgewählten und geschulten Prüfpersonen, sogenannten «Panels» (Bild 1), durchgeführt
werden, finden unter kontrollierten Bedingungen (Temperatur, Licht,
Feuchtigkeit, Lärm) in speziell für sensorische Analysen vorgesehenen Prüfräumen
statt.

Abbildung 1: Deskriptorenrad für
Salami

Bild 1: Das «Panel» während einer Beurteilung.
Mit hedonischen Methoden lässt sich
die Beliebtheit, die Präferenz oder die Akzeptanz eines Produktes bei den Konsumentinnen
und Konsumenten feststellen. Diese Tests erfolgen mit einem Zielpublikum,
welches aus mindestens 100 Personen besteht, unter Bedingungen, die in etwa den
Konsumgewohnheiten entsprechen.
Die beschreibenden Prüfungen
Beschreibende Prüfungen sind Beurteilungsmethoden, die
benutzt werden,um Produkteigenschaften zu beschreiben, gegebenenfalls zu
quantifizieren und damit ein sensorisches Profil eines Produktes zu erstellen.
Da diese Eigenschaften im Vorfeld nicht bekannt sind, ist es unerlässlich, eine
Liste von Deskriptoren (= beschreibende Begriffe) zu entwickeln, welche für
alle Prüfpersonen zugleich einfach, ausführlich und verständlich sind. Mit dieser
Zielsetzung wird zuerst eine Liste mit allen möglichen Begriffen, die zur
Beschreibung des Produktes benutzt werden könnten, zusammengestellt.
Der Liste, die bis zu 200
Deskriptoren enthalten kann, liegen Literaturrecherchen und die Arbeit mit dem
Panel zugrunde. Die Zahl der Deskriptoren wird im Laufe der Sprachentwicklungs-Sitzungen
mit Hilfe diverser statistischer Verfahren nach und nach reduziert, bis man schlussendlich
eine minimale Anzahl mit maximaler Aussagekraft erhält. Ab diesem Zeitpunkt
werden für jeden Deskriptor Definitionen mit Hilfe des Panels, der ISO-Normen
und anhand von Wörterbüchern festgelegt. Um das Erlernen der nunmehr
entwickelten sensorischen Sprache zu erleichtern, müssen als nächstes
Referenzen bestimmt werden.(Tab. 1 Bild 2)
Tabelle 1: Definition und Referenz
eines Deskriptors an einem Beispiel
|
Deskriptor |
Definition |
Referenz |
|
Würziger Geruch |
Erinnert an die Gewürzmischung Mit Kräutern und
Pfeffer, die bei der Salamiherstellung verwendet wird |
Aufschnittgewürz |

Bild 2:
Beispiel für Referenzen, die im Bild
3: Kabinen für die sensorischen
Rahmen einer Schulung Prüfungen.
vewendet
werden
Produkt, Bezeichnung,
Produzent
1 Salami
Sie ermöglichen den Prüfpersonen
ein besseres Verständnis sowie die Einprägung der Begriffe und erlauben einen einheitlichen
Gebrauch des Vokabulars. Im Verlauf der anschliessenden Schulungen macht sich
das Panel mit der sensorischen Sprache und der Prüftechnik vertraut. Ist das
Panel gut genug geschult, können die Tests mit dem Prüfgut beginnen. Sie haben
die Bestimmung der Intensität der ausgewählten Deskriptoren als Ziel. Die
Ergebnisse werden in Form eines sensorischen Profils dargestellt.
Die Salami als Beispiel
Für die sensorische Analyse von Fleischprodukten,
einem neuen Forschungsbereich von ALP, ist es notwendig, standardisierte
sensorische Sprachen zu entwickeln, die im Rahmen der weiteren ALP-Versuche
wieder verwendbar sind. Daher wurde eine Diplomarbeit lanciert, die die Entwicklung einer Sprache
für Salami in Bezug auf die Parameter Geruch, Flavours und Textur zum Ziel
hatte.
Für die Studie wurden
neun im Handel erhältliche Salami verwendet
(Tab.
2). Sie wurden aus einem Sortiment von 9 Salami ausgewählt, indem eine
möglichst ähnliche Zusammensetzung, jedoch deutliche unterschiedliche sensorische
Eigenschaften angestrebt wurden.
Die
sensorischen Prüfungen erfolgten im ALP-Prüfraum in Posieux bei einer
Temperatur von 20 ± 2°C. Bewertet wurden die Salami unter weissem Licht. Die
Prüfpersonen verfügten über Wasser und Weissbrot, um den Mund zwischen den
Produkten zu neutralisieren (Bild 3).
Aus
Tabelle 2 lassen sich somit folgende sensorische Eigenschaften ableiten, die im
jeweiligen Produkt dominant sind.
|
Produkt |
Geruch |
Geschmack |
Trigeminale Wahrnehmung |
Aroma |
Textur |
|
Rapellino Classico |
würzig, Speck |
|
|
fettig, Speck |
hart, fettig, homogen, glatt |
|
Citterino |
tierisch, Speck |
|
|
fettig |
hart, fettig |
|
feinkörnig Coop |
würzig, Speck |
salzig |
|
fettig |
fettig, homogen, glatt |
|
M-Budget |
würzig, Speck, Frischfleisch |
salzig |
|
würzig |
fettig, homogen, glatt |
|
Chaemi- Salami |
würzig, geräuchert |
salzig |
pikant |
würzig, geräuchert |
homogen |
|
Melino |
|
salzig |
|
würzig, fettig |
fettig, homogen, glatt |
|
Nostrano |
würzig |
salzig |
pikant |
fettig |
hart, faserig, fettig, glatt |
|
Alfredo |
würzig, Speck |
salzig |
|
würzig |
homogen, glatt |
|
Pave Pepe |
würzig |
salzig |
pikant |
würzig |
homogen, glatt |
Der
Erarbeitung der anfänglich mit 102 Deskriptoren ausgestatteten Liste lagen eine
Literaturrecherche und die Arbeit mit dem Panel zugrunde. Diese Liste wurde im
Verlauf der Prüfungssessionen mit Hilfe diverser statistischer Verfahren sowie
durch Diskussionen mit dem Panel reduziert. Überdies wurden Deskriptoren, die Produktfehler,
wie zum Beispiel verschimmelt, hefig, fischig, ammoniakalisch, seifig usw.
beschreiben, von der Liste gestrichen, zumal die untersuchten Produkte mit
keinen deutlichen Fehlern behaftet waren. Gleichzeitig wurde ein allgemeiner
Ablauf erarbeitet, um die Beurteilungspraktiken der Prüfpersonen zu
vereinheitlichen.
Eine
erste Salamischeibe diente der Geruchs- und Texturbeurteilung.
Eine
zweite der Beurteilung des Flavours (nach zehnmaligem Kauen).
Für
die allfällige Bestätigung der Beurteilung stand eine dritte Scheibe zur Verfügung.
Ergebnisse
Aus
dem vorgängig beschriebenen Vorgehen resultierte für die Salami schliesslich
ein endgültiges Vokabular mit 24 Deskriptoren (Abb. 1). Neun davon beschreiben
den Geruch, sechs die Textur, drei den Geschmack, einer die trigeminale
Wahrnehmung und fünf das Aroma.
|
9 Geruchs
Beschreibung |
Essig,
Fleischbouillon, Frischfleisch,
Geräuchert, Krautartig, Ranzig, Speck, Tierisch, Würzig |
|
6 Textur
Beschreibung |
Faserig, Fettig,
Glatt, Hart, Homogen, Trocken |
|
3 Geschmacks
Beschreibung |
Bitter, Salzig,
Sauer |
|
1 Trigeminale
Wahrnehmung |
Pikant |
|
5 Aromas |
Fettig, Geräuchert,
Speck, Tierisch, Würzig |
Sämtliche
Begriffe sind mit einer Definition sowie einer Referenz versehen (vgl. Tab. 1).
Die
neun Salami weisen auf allen Ebenen sensorische Unterschiede auf.
Schlussfolgerung
Der
vorliegende Artikel gibt einen kurzen Überblick über die sensorische Analyse
und über die Anwendung der deskriptiven Analyse am Beispiel von Salami. Die
Erstellung einer standardisierten sensorischen Sprache ist mit grossem
Zeitaufwand verbunden. Sie stellt jedoch eine leistungsstarke Technik für die
objektive sensorische Beschreibung von Produkten dar, da mit ihrer Hilfe die
individuellen Sprachen zu einem einheitlichen Vokabular zusammengefasst werden
können. Auf diese Weise lassen sich genaue und reproduzierbare Profile
erstellen, die sich mit verschiedenen Produktionsarten bzw. -parametern in
Verbindung bringen lassen und die es erlauben, die Salami qualitativ
einzustufen. In Kombination mit hedonischen Tests können mit der deskriptiven
Analyse auch diejenigen Parameter ermittelt werden, die die Beliebtheit bei
Konsumentinnen und Konsumenten beeinflussen .
Die sensorische
Analyse boomt in allen Food- (und Non-food-) Bereichen.
Ihre
Anwendung bei der Entwicklung von hochqualitativen Produkten, die Konsumentinnen-
und Konsumenten-Anforderungen erfüllen, ist unerlässlich.
Geneviève-Clara Nicol und Patrizia Piccinali
Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux
ALP
Forscher finden gesündere Mikroorganismen für Salami
im Wildfleisch
Zur Herstellung von Rohwürsten
wie Salami braucht es «gute» Bakterien. Viele der verwendeten Mikroorganismen
tragen allerdings unerwünschte Antibiotikaresistenzen. Forschende der ETH
Zürich haben nun geeignete Bakterien ohne Resistenzen entdeckt - in Würsten aus Wildfleisch.
Bakterien können Resistenzen an
andere Bakterien weitergeben - auch im menschlichen Darm. Darum sind resistente
Bakterien in Nahrungsmitteln ein potenzielles Problem für die Medizin: Wenn die
Resistenzen in Krankheitserreger gelangen, verlieren Antibiotika gegen diese
ihre Wirksamkeit.
Also sucht das Team um Leo
Meile vom Labor für Lebensmittelbiotechnologie nach neuen, resistenzfreien
«Starterkulturen» für die Industrie. In abgelegenen Schweizer
Kleinstmetzgereien, die ausschliesslich Fleisch von Wildtieren auf
traditionelle Weise verwursten, wurden sie fündig.
Erstautorin Esther Marty gewann
mehrere Stämme erwünschter Staphylokokken ohne Antibiotikaresistenzen, wie die
Forschenden im Fachblatt «International Journal of Food Microbiology»
berichten. Diese Bakterien werden nicht bewusst beigegeben wie bei der
industriellen Produktion, sondern sie gelangen über das rohe Fleisch oder die
Umgebung auf die Produkte.
Tests ergaben, dass einige der
resistenzfreien Stämme hervorragend für die Salamiherstellung geeignet sind:
Sie sorgen für Aroma, sind gesundheitlich unbedenklich, vermehren sich im
Salami gut und können sich gegen andere Bakterien durchsetzen, schreibt die
ETH.
Ein Schweizer
Fleischverarbeiter, der am Forschungsprojekt beteiligt war, stellt mit einem besonders
gut geeigneten Stamm bereits Salami her. Die meisten anderen Hersteller
produzierten allerdings noch immer mit den herkömmlichen antibiotikaresistenten
Stämmen, erklärte Meile in der Mitteilung.
Er würde einen Wechsel auf die
neuen, unproblematischen Bakterien begrüssen. «Es ist zwar nicht direkt
krankmachend, mit resistenten Bakterien hergestellte Lebensmittel zu essen»,
sagte er. «Doch es ist nicht mehr angesagt, diese Bakterien zu verwenden.»
Zumal es nun alternative Kulturen gebe.
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