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Kritische Vitaminvorsorge im Alter
Viele
Hochbetagte verlieren die Lust am Essen. Hunger und Sättigungsregulation
verändern sich im Alter, auch das Geschmacksempfinden lässt nach. Das hat Folgen:
beispielsweise Schwäche, besonders der Muskulatur. Dies birgt ein erhöhtes
Risiko für Stürze und Knochenbrüche mit sich.
Aber
Mangelernährung führt infolge des geschwächten Immunsystems auch zu
Infektanfälligkeit, verschlechterter Wundheilung, verzögerter Genesung nach
akuten Krankheiten und letztlich verringerter Vitalität. Einsamkeit, Verlust
von geliebten Menschen, aber auch Verlust von körperlichen und sozialen
Fähigkeiten führen vielfach zu Appetitverlust. Bestimmte Medikamente tun ein
Übriges, weil sie zum Beispiel zu Mundtrockenheit führen und dadurch das Essen
erschweren. Oft kommen noch Schwierigkeiten beim Kauen, Schlucken oder Atemnot
hinzu. Nachstehender Artikel der Centralen
Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft GmbH gibt wertvolle
Hinweise über die Ernährung im Alter.
Allgemein
gültige Referenzwerte für ältere Menschen aufzustellen, ist aufgrund der
heterogenen Zusammensetzung dieser Gruppe ausserordentlich schwer. Sowohl
Krankheiten als auch Medikamente können die Nährstoffumsetzung und/oder Ausscheidung
erhöhen. Probleme mit dem Kauapparat können dazu führen, dass Speisen bewusst
weich gekocht werden und damit höhere Nährstoffverluste entstehen. Die mit
zunehmendem Alter sinkende Energiezufuhr kann ebenfalls zu einer geringeren
Vitaminzufuhr führen, wenn nicht Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte im
Speiseplan berücksichtigt werden. Den veränderten Anforderungen an eine
Vitaminversorgung haben seit dem Jahr 2000 auch die neuen Referenzwerte der
deutschsprachigen Ernährungsgesellschaften (Deutschland, Österreich, Schweiz)
Rechnung getragen.
Gesunde ältere
Menschen erreichten laut einer neuen Studie in den meisten Fällen die
empfohlenen Mengen an Vitaminen. Deutlich zu niedrig war die Aufnahme an
Vitamin D und Folat durch die Kost. Untersuchungen,
die nicht nur gesunde ältere Menschen einbeziehen, kommen zu anderen
Ergebnissen. Ältere, kranke Menschen wiesen zu Teil erhebliche
Nährstoffdefizite auf. Insbesondere die Vitamin-B12- und die
Vitamin-B6-Versorgung war in vielen Fällen kritisch. Für eine ausreichende
Versorgung mit Vitamin B12 spielt Fleisch eine wesentliche Rolle. Auch zur
Deckung des Vitamin B6-Bedarfs kann Fleisch einen hohen Beitrag leisten. Bei
gesunden alten Menschen unterscheiden sich die Ernährungsempfehlungen nicht
wesentlich von den Empfehlungen für junge Menschen. Aufgrund der geringen
Bewegung sollten ältere Menschen aber immer auf eine hohe Nährstoffdichte
achten, d.h. Lebensmittel mit wenig Kalorien bei
gleichzeitig hohem Vitamin- und Mineralstoffgehalt bevorzugen. Ein abwechslungsreicher
Speiseplan mit viel frischem Obst und Gemüse sowie magerem Fleisch und
Fleischerzeugnissen trägt erheblich dazu bei, dass man auch im hohen Alter noch
fit ist.
Ernährung im
Alter – kritische Nährstoffversorgung am Beispiel der B-Vitamine
Prof. Dr.
Helmut Heseker, Fachgruppe Ernährung und
Verbraucherbildung, Universität Paderborn
Heute haben
mehr Menschen als je zuvor die Chance, nicht nur alt und älter, sondern auch
sehr alt zu werden. Durch medizinische und technische Fortschritte, bessere
Ernährung, weniger gefährliche Arbeitsplatzbedingungen und gesündere
Lebensstile konnte im vergangenen Jahrhundert der uralte Wunsch der Menschheit
nach Lebensverlängerung für viele Menschen bereits verwirklicht werden. Die
mittlere Lebenserwartung eines neugeborenen Mädchens beträgt inzwischen 80,5
Jahre, die eines Jungen 74,5 Jahre. Dabei nimmt die Lebenserwartung alle vier
bis fünf Jahre um ein weiteres Jahr zu.
Besonders im
höheren und hohen Alter verschlechtert sich allerdings häufig der
Gesundheitszustand, sodass es zu erheblichen Einbussen in der Lebensqualität
kommt und eine selbstständige Lebensführung unmöglich wird. Prof. Dr. Helmut Heseker von der Fachgruppe Ernährung und Verbraucherbildung
an der Universität Paderborn beschreibt im folgenden Beitrag, welchen Beitrag
eine nährstoffreiche, bedarfsdeckende Ernährung und altergemässe Bewegung für
eine gute körperliche und geistige Verfassung bis ins hohe Alter leisten.
Mit dem Alter
einhergehende Veränderungen. Altern ist ein lebenslanger biologischer Prozess,
der als solcher auch durch „Anti-Aging-Programme“
nicht aufgehalten werden kann. Der Alterungsprozess ist gekennzeichnet durch
zahlreiche physiologische und auch anatomische Veränderungen unseres Körpers.
Diese sind teilweise von erheblicher Bedeutung für die Ernährung bzw. den
Ernährungsstatus älterer Menschen. Die Veränderungen betreffen u.a. die
Sinnesorgane, den Verdauungstrakt, die Knochen und die Muskulatur, die
Körperzusammensetzung sowie das Gehirn und das Nervensystem. Geschmack und
Geruch spielen eine Schlüsselrolle für die Akzeptanz von Speisen, die
Nahrungsauswahl und den Appetit. Da die Anzahl der Geschmacksknospen im Alter
deutlich reduziert ist, verschieben sich die Schwellenwerte für die vier
Geschmacksqualitäten.
Normal
gewürzte Gerichte werden daher oftmals als fade schmeckend empfunden.
Zahnverlust, schlecht sitzende Prothesen und andere Kaubeschwerden sind im
Seniorenalter weit verbreitet und spielen bei ca. 20 % aller Senioren/innen
eine wichtige Rolle. Vollkornprodukte und andere feste bzw. kauintensive
Lebensmittel werden in zunehmendem Masse gemieden. Auch unterbleibt eine
gründliche Zerkleinerung der Nahrungsmittel und erschwert die weitere Ausnutzung
der Nahrungsinhaltsstoffe. Viele ältere Menschen klagen über mangelnde
Speichelbildung, Mundtrockenheit und Schluckbeschwerden. Auch diese Störungen
reduzieren den Appetit erheblich.
Eine
verminderte oder verlangsamte Magendehnung und eine erhöhte Aktivität von
Sättigungssignalen (z.B. Cholecystokinin) haben zur
Folge, dass oft nur kleine Portionen gegessen werden, weil der Magen schneller
gefüllt ist („Der Teller wird nur halb leer gegessen“). Ein unerwünschter
Gewichtsverlust ist die unmittelbare Folge.
Dies kann nur
durch eine sehr sorgfältige Kostzusammenstellung und durch die Bevorzugung von
Lebensmitteln mit hoher Nährstoff- und Energiedichte vermieden werden. Unter
Umständen sind auch noch weitergehende diätetische Massnahmen erforderlich.
Ein Nachlassen
der Verdauungsfunktionen führt dazu, dass vor allem schwerer verdauliche
Lebensmittel im Rahmen des Verdauungsprozesses nicht vollständig aufgeschlossen
werden können. Vitamine und Mineralstoffe werden dann nicht in ausreichenden
Mengen aus Lebensmitteln freigesetzt und können folglich nicht gut vom Körper
aufgenommen werden. Dies betrifft besonders pflanzliche Lebensmittel, in denen
viele Nährstoffe besonders fest an Pflanzenstrukturen gebunden sind.
Lebensmittel
tierischen Ursprungs (z.B. Fleisch, Milch und daraus hergestellte Produkte)
zeichnen sich durch eine wesentlich bessere Bioverfügbarkeit von Vitaminen,
Mineralstoffen und Spurenelementen aus.
Auch äussere
Faktoren wie multiple Medikamenteneinnahme, körperliche Inaktivität und
Behinderungen oder soziale Verhältnisse (z.B. Allleinsein, geringes Einkommen)
können zu erheblichen Ernährungsproblemen führen. Gelegentlich führen falsch
dosierte Beruhigungs- oder Schlafmittel dazu, dass ältere Menschen bei den Mahlzeiten
noch schläfrig sind und daher nur wenig essen. Bei vielen älteren Menschen –
vor allem bei Hochbetagten – liegt eine allgemeine Altersanorexie (= Appetitlosigkeit
im Alter) vor. Diese führt dazu, dass während einer Mahlzeit oft nur kleine Nahrungsmengen
gegessen werden.
Nährstoffbedarf
im Alter
In der
Vergangenheit lagen über den Nährstoffbedarf älterer, alter und sehr alter
Menschen nur wenige wissenschaftlich abgesicherte Informationen vor. Zu den
auffälligsten Altersveränderungen des Nährstoffbedarfs zählt die altersbedingte
Abnahme des Energiebedarfs. Einerseits nimmt der Grundumsatz zwischen dem 25.
und 75. Lebensjahr bei Männern um zirka 375 kcal/Tag bzw. 20 % und bei Frauen
um zirka 200 kcal/Tag bzw. 15 % ab. Andererseits vermindert sich durch die
zunehmende körperliche Inaktivität der Leistungsumsatz (z.B. Energiebedarf für
Muskelarbeit) ganz erheblich. Der reduzierte Grundumsatz wird u.a. durch die
altersassoziierte Abnahme der Muskelmasse bei gleichzeitiger Zunahme der
Körperfettmasse hervorgerufen.
Im Gegensatz
zum Energiebedarf vermindert sich der Bedarf an den meisten Vitaminen,
Mineralstoffen und Spurenelementen im Alter aber nicht. Inzwischen liegen
Untersuchungsergebnisse vor, die darauf hindeuten, dass der Bedarf an Vitamin
B12 und möglicherweise auch an Vitamin B6 im Alter eher höher ist als in jüngeren
Altersgruppen. Zur Vermeidung einer Unterversorgung mit Vitaminen müssen daher
im Alter bevorzugt Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte (= Nährstoffgehalt
pro 1000 kcal eines Lebensmittels) ausgewählt werden (siehe Abb. 1).
Besonders
günstig sind dabei Lebensmittel wie Fleisch und Fleischprodukte, die einerseits
einen geringen Kaloriengehalt und andererseits einen hohen Gehalt an
beispielsweise B-Vitaminen haben (siehe Tab. 1).
Vitamin B1
(Thiamin)
Wie andere
B-Vitamine auch, spielt Thiamin eine wichtige Rolle im Nervensystem und im
Energiestoffwechsel. Die Empfehlungen der für die tägliche Thiaminzufuhr
betragen 1,0 mg. Aufgrund der engen Korrelation mit der Energieaufnahme wird
diese Empfehlung im höheren Alter nur durch eine sorgfältige Nahrungsmittelauswahl
erreicht.

Vitamin B2
(Riboflavin)
Die empfohlene
Riboflavinzufuhr wird für über 65-jährige Personen mit 1,2 mg/Tag
angegeben. Neben Milch und Milchprodukten sind Fleisch und daraus hergestellte
Produkte unsere wichtigsten Riboflavinquellen. Dieses Vitamin spielt ebenfalls
eine bedeutende Rolle im Energiestoffwechsel.
Vitamin B6
(Pyridoxin)
Eine durch
unzureichende Ernährung verursachte Vitamin-B6-Verarmung führt bei älteren
Menschen zu stärkeren Veränderungen von Gehirnfunktionen als bei jüngeren
Menschen. Immunfunktionen, die altersbedingt oft deutlich abnehmen, scheinen
durch erhöhte Vitamin-B6-Aufnahmen gestärkt zu werden. Möglicherweise ist der
Vitamin-B6-Bedarf daher im Alter höher als bisher angenommen wurde. Die empfohlene
tägliche Vitamin-B6-Zufuhr wird mit 1,4 mg (Männer) bzw. 1,2 mg (Frauen)
angegeben.
Vitamin B12
(Cobalamin)
Vitamin B12
ist ein sehr grosses, komplexes Molekül, das nur in Lebensmitteln tierischen
Ursprungs vorkommt. Eine streng vegane Kost geht daher mit einem hohen Risiko
für eine Vitamin-B12-Mangelernährung einher. Zusammen mit der Folsäure wirkt
Vitamin B12 bei der Blutbildung mit sowie bei zahlreichen Stoffwechselvorgängen,
die mit der Zellteilung zu tun haben. Vitamin B12 kann nur resorbiert werden,
wenn es zunächst an einen in der Magenschleimhaut gebildeten Faktor (=Intrinsic
factor) gebunden worden ist. Bei Vorliegen einer chronischen Magenschleimhautentzündung
(= Gastritis) kommt es einerseits zu einer unzureichenden Produktion dieses
Faktors und anderseits zu einer verminderten Magensäureproduktion.
Fast ein
Drittel der über 70-jährigen Menschen ist irgendwann davon betroffen. Dadurch
wird der im Rahmen der Verdauung notwendige Aufschluss der Nahrung, d.h. die
Freisetzung von Vitamin B12 aus dem Lebensmittelverbund und die anschliessende
Resorption, mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Es kommt zu einer
schleichenden Verschlechterung des Vitamin-B12-Versorgungszustandes und
schliesslich zur Ausbildung einer schweren Vitamin-B12-Mangelerkrankung (=
perniziöse Anämie bzw. Vitamin-B12-Mangelanämie). Ein Vitamin-B12-Mangel ist
der am häufigsten zu therapierende Vitaminmangel und oft mit einem
Krankenhausaufenthalt verbunden. Durch regelmässigen Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten
kommt es zu einer guten Auffüllung der Vitamin-B12-Speicher.
Mangel- und
Unterernährung im hohen Alter
Die Ernährung
und die Vitaminversorgung gesunder, jüngerer Senioren unterscheiden sich nicht
wesentlich von den noch im Erwerbsleben stehenden jüngeren Erwachsenen. Bei Einhaltung
einer energetisch ausreichenden, abwechslungsreichen Kostform treten – mit
Ausnahme von Folsäure – nur selten Vitaminbedarfsdeckungslücken auf. Die
DACH-Referenzwerte werden im Mittel gut erreicht oder überschritten (siehe Abb.
2).

Es wird aber
bei chronisch kranken, älteren Menschen mit zunehmendem Alter eine insgesamt zu
geringe Lebensmittel- und Nährstoffaufnahme festgestellt. Bei einer
Energieaufnahme von unter 1500 kcal/Tag ist eine sicher ausreichende Bedarfsdeckung
mit essenziellen Nährstoffen durch den Verzehr landesüblicher Mischkost nur mit
besonderen Anstrengungen möglich. Untersuchungen in Altersheimen und
geriatrischen Krankenhäusern, die überwiegend an hoch betagten Bewohnern bzw.
geriatrischen Patienten durchgeführt werden, deuten auf die besonders schlechte
Gesundheits- und Ernährungssituation in dieser Personengruppe hin. In der
Heidelberger Bethanienstudie wurden bei der
Aufnahmeuntersuchung 25 % der geriatrischen Patienten aufgrund des äusseren klinischen
Eindrucks als unterernährt beurteilt. In zusätzlich durchgeführten
klinisch-chemischen Analysen wurde festgestellt, dass bei zwei Dritteln der
Patienten mindestens ein Messwert vorlag, der auf eine defizitäre
Vitaminversorgung hindeutete.
Während eines
Krankenhausaufenthaltes wurde häufig – nicht zuletzt verursacht durch die
krankenhausspezifischen Bedingungen – sogar eine weitere Verschlechterung des
Ernährungszustandes beobachtet. Unsere Untersuchungen in Altenheimen haben
gezeigt, dass es auch dort häufig zu einer generellen Unterversorgung z.B. mit
Vitaminen kommt (siehe Abb. 3).

Eine besonders
ungünstige Ernährungssituation wird bei älteren Personen beobachtet, die
Hilfestellung bei der Nahrungsaufnahme benötigen (siehe Abb. 4).

Für die
relativ weite Verbreitung von Unterernährung in Altersheimen können neben den
anfangs erläuterten altersassoziierten Veränderungen noch weitere Gründe angeführt
werden. Bei Altersheimbewohnern/innen handelt es sich heute überwiegend um hoch
betagte, multimorbide Menschen, die sehr spät und häufig erst dann den Weg ins
Altersheim finden, wenn die Versorgung im häuslichen Umfeld schon über längere
Zeit nicht mehr gewährleistet werden konnte. Da eine Unterernährung von den
betreuenden Verwandten und Ärzten vielfach nicht wahrgenommen und das
Körpergewicht nicht kontrolliert wurde, weisen viele Altersheimneulinge einen
sehr schlechten Ernährungszustand auf. Im Altersheim üben die Heimatmosphäre,
das ungewohnte Essensangebot und die zunächst fremde Geräusch- und Geruchskulisse
manchmal einen negativen Einfluss auf den Appetit aus. Auch die weitere Abnahme
körperlicher Aktivitäten wirkt sich negativ auf die Nahrungsaufnahme aus.
Folgen der
Unterernährung
Unterernährung
und Untergewicht sind im hohen Alter nicht nur weit verbreitet, sondern sind
auch mit zahlreichen, teilweise schweren Folgen für den Gesundheits- und
Allgemeinzustand, das Wohlbefinden und die Lebensqualität verbunden. Dabei hängen
der Umfang und die Schwere der Folgen wesentlich von Ausmass und Dauer der
vorangegangenen Unterernährung ab. Während bei leichten Formen einer
allgemeinen Unterernährung meist nur unspezifische Krankheitssymptome wie
Schwäche, Müdigkeit und Antriebslosigkeit auftreten, führt ein anhaltendes Energie-
und Nährstoffdefizit zu spezifischen klinischen Erscheinungsbildern, Funktionsstörungen
und Mangelsymptomen. Es kommt neben eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit
und Erschöpfung zu Störungen wichtiger Organfunktionen und auch die Genesung
wird im Krankheitsfall ungünstig beeinflusst. Unterernährung erhöht die
Infektanfälligkeit und geht mit einem erhöhten Dekubitusrisiko sowie schlechter
Wundheilung und verlangsamter Rekonvaleszenz nach akuter Erkrankung einher.
Neben diesen
negativen Folgen für Organfunktionen und Gesundheitszustand ist Mangelernährung
mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko (= Sterblichkeitsrisiko) verbunden.
Im Vergleich
zu normal-gewichtigen haben mangelernährte, untergewichtige ältere Mensche
somit ungünstigere Lebensperspektiven und eine deutlich eingeschränkte
Lebensqualität. Es wirken sich aber nicht nur schwere Formen der
Mangelernährung, sondern bereits marginale Nährstoffdefizite negativ auf
Immunfunktionen und z.B. auch auf Gedächtnisleistungen aus.
Altersgerechte
Ernährung
Ziel aller Ernährungsmassnahmen im
Alter ist letztendlich die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität durch
Reduzierung von physiologischen Altersveränderungen, Vermeidung bzw.
Verzögerung von Krankheiten und dadurch Erhaltung und Verminderung vorzeitiger
Pflegebedürftigkeit. Die rechtzeitige Vorbereitung auf das Alter durch eine
gesunde Ernährung und Lebensweise ist daher von grosser präventivmedizinischer
Bedeutung. Wenn Durst und Appetit nachlassen, wird es zunehmend wichtig, auf
die ernährungsphysiologische Qualität der verzehrten Lebensmittel und
altersgerechte Darreichungsformen zu achten. Besonders wichtig ist, dass
ausreichende Nahrungsmengen gegessen und Nahrungsmittel mit hoher
Nährstoffdichte und guter Bioverfügbarkeit bevorzugt werden. Wichtig ist
ausserdem, dass die Lebensmittel leicht kaubar und gut schluckfähig sind sowie
hervorragend schmecken. Da besonders im höheren Alter nur kleinere Mengen
gegessen werden, sollten die Portionen einerseits zwar kleiner sein, aber
andererseits die Nährstoffgehalte normaler Portionen enthalten. Altersgerecht
zubereitete Fleischgerichte spielen daher aus ernährungs-physiologischer Sicht
in der Ernährung des älteren Menschen eine wichtige Rolle. Aufgrund ihres
Reichtums an gut resorbierbaren Vitaminen leisten sie besonders auch bei
geringer werdendem Appetit bzw. einer geringeren Nahrungsaufnahme einen
wichtigen Beitrag zur Vitaminbedarfsdeckung.
Erfahrungen zeigen ausserdem, dass
gut gewürzte und appetitlich angerichtete traditionelle Fleischgerichte von
hoch betagten Menschen besonders geschätzt werden.
Kurzfassung – Ernährung im Alter –
kritische Nährstoffversorgung am Beispiel der B-Vitamine
Durch medizinische und technische
Fortschritte, bessere Ernährung, weniger gefährliche Arbeitsplatzbedingungen
und gesündere Lebensstile hat sich die Lebenserwartung im vergangenen
Jahrhundert deutlich erhöht. Alle vier bis fünf Jahre nimmt sie um ein weiteres
Jahr zu. Durch zahlreiche physiologische und anatomische Veränderungen des
Körpers verschlechtern sich im höheren und hohen Alter allerdings häufig der
Ernährungsstatus und damit auch der Gesundheitszustand, sodass es zu
erheblichen Einbussen in der Lebensqualität kommt und eine selbstständige Lebensführung
unmöglich wird. Ein reduziertes Geschmacksempfinden, Kaubeschwerden,
allgemeine Appetitlosigkeit und eine verminderte oder verlangsamte Magendehnung
führen beispielsweise dazu, dass Senioren nicht mehr ausreichend mit wichtigen
Nährstoffen versorgt werden. Auch äussere Faktoren wie multiple Medikamenteneinnahme,
körperliche Inaktivität und Behinderungen oder soziale Verhältnisse (z.B.
Alleinsein, geringes Einkommen) können zu erheblichen Ernährungsproblemen
führen. Die Folge sind Mangelerscheinungen und daraus resultierende gesundheitliche
Problemen. Denn im Gegensatz zum Energiebedarf vermindert sich der Bedarf an
den meisten Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen im Alter nicht. Im
Gegenteil: Aktuelle Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Bedarf
an Vitamin B12 und möglicherweise auch an Vitamin B6 im Alter eher höher ist
als in jüngeren Altersgruppen. Zur Vermeidung einer Unterversorgung mit
Vitaminen müssen daher im Alter bevorzugt Lebensmittel mit einer hohen
Nährstoffdichte (= Nährstoffgehalt pro 1000 kcal eines Lebensmittels)
ausgewählt werden. Besonders günstig sind dabei Lebensmittel wie Fleisch und
Fleischprodukte, die einerseits einen geringen Kaloriengehalt und andererseits
einen hohen Gehalt z.B. an B-Vitaminen haben. Vitamin B12 kommt nur in
Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor. Eine strenge vegane Kost geht daher mit
einem hohen Risiko für eine Vitamin-B12-Mangelernährung einher.
Die rechtzeitige Vorbereitung auf das
Alter durch eine gesunde Ernährung und Lebensweise ist daher von grosser
präventivmedizinischer Bedeutung. Wenn Durst und Appetit nachlassen, wird es
zunehmend wichtig, auf die ernährungsphysiologische Qualität der verzehrten
Lebensmittel und altersgerechte Darreichungsformen zu achten. Besonders wichtig
ist, dass ausreichende Nahrungsmengen gegessen und dass Nahrungsmittel mit
hoher Nährstoffdichte und guter Bioverfügbarkeit bevorzugt werden. Wichtig ist
ausserdem, dass die Lebensmittel leicht kaubar und gut schluckfähig sind sowie
hervorragend schmecken. Da besonders im höheren Alter nur kleinere Mengen
gegessen werden, sollten die Portionen einerseits zwar kleiner sein, aber
andererseits die Nährstoffgehalte normaler Portionen enthalten. Altersgerecht
zubereitete Fleischgerichte spielen daher aus ernährungsphysiologischer Sicht
für ältere Menschen eine wichtige Rolle. Aufgrund ihres Reichtums an gut
resorbierbaren Vitaminen leisten sie besonders auch bei einer geringeren
Nahrungsaufnahme einen wichtigen Beitrag zur Vitaminbedarfsdeckung. Erfahrungen
zeigen ausserdem, dass gut gewürzte und appetitlich angerichtete traditionelle
Fleischgerichte von hochbetagten Menschen besonders geschätzt werden.
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